100 Jahre Scheurebe

Als wir im Herbst 2014 auf Schwestern-Besuch in Berlin waren, ließen wir uns in der kleinen Kreuzberger Weinhandlung „not only riesling“ vom Namen der Vinothek inspirieren und wählten dem Anlass der Reise entsprechend eine Flasche Cuvée „3 Schwestern“ von Weegmüller aus, um auf das Wiedersehen anzustoßen. Der Wein aus Scheurebe, Grau- und Weißburgunder schmeckte uns so gut, dass wir ihn kurz darauf in unser Sortiment aufnahmen. Seither ist das Pfälzer Weingut im vinocentral vertreten, zu einem persönlichen Kennenlernen kam es allerdings lange nicht.

Der 100. Geburtstag der Scheurebe war daher ein schöner Anlass, dies nachzuholen und dem Weingut Weegmüller, das im Neustädter Ortsteil Haardt schon seit den 1950er Jahren Scheurebe anbaut, einen Besuch abzustatten. Das Traditionsweingut ist quasi von Anfang an an der Kultivierung dieser aromatischen Rebsorte aus der einstigen Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey beteiligt. „Denn 100 Jahre Scheurebe-Züchtung heißt noch lange nicht 100 Jahre Scheurebe-Wein“, erklärt uns Kellermeisterin Stefanie Weegmüller-Scherr als erstes. Nach der eigentlichen Züchtung werden die Sämlinge ausgesetzt und zehn Jahre lang beobachtet, anschließend steht die Rebe 15 Jahre lang allein, um sie mit anderen Sorten zu vergleichen. Und schon sind mindestens 25 Jahre um, bevor sie im Weinbau richtig Verbreitung findet.

Unter Stefanie Weegmüller-Scherr, die 1988 das Weingut von ihrem Vater übernahm, erhielten die Scheurebe-Weine weiteren Aufschwung. Als die Kellermeisterin vor der Entscheidung stand, ob sie der Sauvignon-Blanc-Mode folgen sollte, pfiff sie auf den Trend und setzte noch stärker als bisher auf Scheurebe.

Und natürlich war sie es auch, die für die Cuvée „3 Schwestern“, bei der jede der drei Weegmüller-Frauen ihre Lieblingsrebsorte einbrachte, die Scheurebe wählte. Mit ihrer Vorliebe wurde sie schließlich selbst zur Trendsetterin: Heute liefert sie ihre Scheurebe-Weine sogar nach England, wo sich diese immer größerer Beliebtheit erfreuen. Nur mit der Aussprache haben die Engländer noch Schwierigkeiten, erzählt Gabriele Weegmüller, die auf dem Weingut für Marketing und Kundenberatung zuständig ist, und schmunzelt: „Wir sagen dann immer Sch-eu mit oi wie Oyster.“

Auf die Frage, was das Geheimnis ihres Erfolgs ist, antwortet Stefanie Weegmüller-Scherr stets: „Das Geheimnis ist, dass wir keine Geheimnisse haben.“ Die Winzerin, die als erste Frau in Deutschland die volle Verantwortung in einem Weinkeller übernahm, setzt auf Austausch.
Deshalb gibt sie auch gerne ihr Insiderinnen-Wissen in Sachen Scheurebe an uns weiter: Dass es sich bei der Traube nicht um eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner handelt, wie der Züchter Georg Scheu unter dem Namen „Sämling 88“ in sein Zuchtbuch schrieb, wissen wir bereits. Statt Silvaner soll es statt dessen eine wilde Bukettrebe gewesen sein, die der Traube – neben ihrer rieslingähnlichen Säure – eine schöne Aromenvielfalt verlieh.

Von Stefanie Weegmüller-Scherr erfahren wir, dass später zunächst erwogen wurde, die Rebe „Scheus Liebling“ zu nennen, aufgrund einer möglichen Verballhornung zu „Scheißliebling“, entschied man letztendlich, sie als „Scheurebe“ in die Weinwelt eingehen zu lassen. „Damit ist sie die einzige entnazifizierte Rebsorte“, scherzt die Winzerin und spielt damit auf die lange gebräuchliche Abkürzung „S 88“ für „Sämling 88“ an.

Weegmüller-Scherr gibt ihre Erfahrungen besonders gerne an junge Menschen weiter. Über 50 Lehrlinge hat sie bereits ausgebildet, die Hälfte davon Mädchen. Darüber hinaus arbeitet sie als Jurorin bei Wettwettbewerben, um zu sehen, was die anderen machen, allerdings ohne dabei den eigenen roten Faden zu verlieren. An ihrem persönlichen Weinstil hält sie fest. Dieser besteht aus einem ausgewogenen Verhältnis von Säure und Restsüße, was eine wunderbare „Trinkigkeit“ erzeugt.

Nach zahlreichen herrlichen Trinkfluss-Erlebnissen fällt unsere Wahl schließlich auf ihre Scheurebe trocken, die Scheurebe Auslese und natürlich auf den neuen Jahrgang der Cuvée „3 Schwestern“.

Die Scheurebe steht nicht nur in der Pfalz hoch im Kurs. Auch an der Nahe und in ihrer Heimat Rheinhessen wird sie gerne angebaut. Zwei besonders gelungene Exemplare können bei unserer Scheurebe-Aktion ebenfalls verkostet werden: Sebastian Schäfer vom Weingut Joh. Bap. Schäfer in Burg Layer zeigt grandios, was bei trockener Scheurebe möglich ist.

Und mit dem Wein von Florian Fauth vom Weingut Seehof ist eine Scheurebe dabei, die nur wenige Kilometer von ihrer Geburtsstätte entfernt, auf dem kalkreichen, steinigen Boden des Örtchens Westhofen gewachsen ist.

Happy Birthday, Scheurebe!

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