Das vinocentral zu Besuch bei Benedikt Baltes in Klingenberg am Main

Gesucht, gefunden: Rotweingut mit Tradition

Benedekt Baltes stammt ursprünglich von der Ahr, wo seine Eltern Rotwein anbauen. 2010, nach seiner Ausbildung in Ahrweiler und Bad Kreuznach, war der damals 25-jährige Winzer auf der Suche nach einem eigenen Weingut, das ebenso optimale Bedingungen für Spätburgunder zu bieten hat wie die Weinberge im heimatlichen Ahrtal. Das zu dieser Zeit zum Verkauf stehende VDP-Gut der Stadt Klingenberg mit seinen steilen Buntsandstein-Terrassen und den bis zu hundert Jahre alten Rebstöcken schien da wie geschaffen für ihn. Schließlich ist der dortige Weinbau bereits 1261 erstmals urkundlich erwähnt. Gern und häufig zitiert wird auch der Ausspruch von Erasmus Wiedemann aus dem Jahr 1632: „Zu Klingenberg am Main, zu Würzburg am Stein, zu Bacharach am Rhein, hab ich meinen Tagen gar oftmals hören sagen, wächst der beste Wein“. Die Sache geht auf: Schon kurz nach Übernahme des Weinguts wird Benedikt Baltes von Eichelmann, Wein-Plus und Gault&Millau als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert.

Aller Aufstieg ist schwer.                                         Winzer mit Weitblick.                                                                                    Was ist es am Main so schön.

Schafe statt Glyphosat

Für uns ist Baltes ebenfalls eine Offenbarung. Das liegt zum einen an seinen überaus eleganten, filigranen Spätburgundern, zum anderen an seiner beeindruckenden Arbeit im Weinberg. Der Winzer hat sich nicht allein der Biodynamie verschrieben, sondern auch der Permakultur. Grundgedanke dabei ist es, dauerhaft funktionierende, nachhaltige und naturnahe Kreisläufe zu schaffen. Deshalb entrümpelt er jetzt die Weinberge: Alle Stickel und Drähte aus Metall werden abgebaut und die Reben stattdessen einzeln, an nur einem Holzpflock mit Sisalstrick befestigt. 

Während am Nachbarhang ein Winzer Glyphosat spritzt, erzählt uns Baltes: „Pestizide und Herbizide kommen für mich als Bio-Winzer sowieso nicht infrage. Aber auch mit der Sense arbeiten, um Gras und Unkraut kurz zu halten, wollte ich nicht. Die Nährstoffbahnen des Weinstocks liegen direkt unter der Außenhaut, dadurch können sie beim Sensen leicht verletzt werden. Geschieht dies nicht, ist es möglich, dass die Rebstöcke bis zu 400 Jahre alt werden.“  Er hat deshalb sein ganz eigenes System entwickelt. „Das Mähen der sechs Hektar großen Terrassen-Lagen kostet circa 24.000 Euro im Jahr. Das war mein Budget, das mir für eine andere Lösung zur Verfügung stand.“ Den ersten Versuch machte er mit Gänsen. Als sich das als schwierig erwies, schaffte er sich eine Schafherde an. „Die kleinsten Schafe, die es gibt“, sagt er, „bretonische Ouessantschafe. Sie sind äußerst anspruchslos und widerstandsfähig. Vor allem aber können sie sich nicht höher als 1,2 m aufrichten.“ Damitgeben sie das Richtmaß vor, auf das Baltes seine autark stehenden Rebstöcke erziehen muss, damit die Schafe nicht an die Trauben herankommen. Zur Stabilisierung lässt er den Kopf der Pflanze zu einer Art Geweih mit insgesamt 5 Zapfen à 2 Trieben mit je circa 7 Blättern wachsen. 

 Ein Weinstock, ein Holzpflock und sonst gar nichts.                                  Höhentest.                                                                      Rebstock-Geweih.

Alles Metall muss raus.                                                                Uralter Rebenschatz.                                                                             Indikator für einen warmen Standort: Mauerpfeffer.

Alle überschüssigen Triebe werden im Sommer ausgebrochen oder im Winter mittels „Sanftem Rebschnitt“ entfernt. Letzteren hat Baltes sich in Südtirol von Visionär Alois Lageder zeigen lassen. Bei der ursprünglich aus Spanien stammenden Methode, die seit einigen Jahren durch die norditalienischen Spezialisten Simonit&Sirch nicht nur bei Lageder, sondern auch andernorts wieder verbreitet wird, werden große Schnitte ins alte Holz vermieden, damit das Saftsystem im Inneren des Rebstocks so wenig Schaden wie möglich nimmt. "Ich bin quasi so etwas wie ein Rebenrestaurator"sagt Baltes und lacht. "Doch nur so kann ich diesen alten Rebenschatz hier erhalten. Jeder Stock ist jetzt ein eigenes kleines Ökosystem, das auf physikalische Art geschützt wird."  

Auch seine Schafhaltung ist biodynamisch zertifiziert. Im Winter weiden die Ouessantschafe auf den zurzeit noch unbewirtschafteten Terrassen des Weinguts. Im Sommer fressen sie das Gras zwischen den Rebstöcken. Wasser erhalten sie aus einem alten Brunnen, der mitten im Weinberg steht. Blitzschnell können die Zwergschafe von Terrasse zu Terrasse springen und dadurch den steilen Hang gerade hoch und runter laufen. Ist ein Weinberg abgegrast, geht es weiter zum nächsten. Damit die Schafe nicht weglaufen – oder gar an fremden Trauben naschen – müssen die Weinberge eingezäunt werden. Auch dabei will Baltes langfristig auf Metall verzichten. 

Die ersten Zäune, gezogen aus Weidenrutensetzlingen, stehen schon. Dazwischen sollen Obst- und Mandelbäume gepflanzt werden. „Die Umstellung ist aufwendig“, sagt Baltes, „aber ist die Permakultur erst einmal angelegt, erneuert sie sich von selbst“.    

 Herdentrieb.                                                                                                             Terrassenspringer.                                                                 Ende Gelände.

Ganz im Dienste des Terroirs

Mehr kann man eigentlich nicht tun, um Klima, Boden und Standort voll und ganz ihre Wirkung entfalten zu lassen. Wer so konsequent die Natur ihrem Kreislauf überlässt, greift auch im Keller so wenig wie möglich ein: Der Spätburgunder wird nur teilweise entrappt und vergärt im Holzfass. Später werden die Beeren herausgesiebt und das Fass mit dem Gabelstabler in die Höhe gehoben, damit der Rebensaft allein durch die Schwerkraft ablaufen kann. Er fließt gänzlich ungepresst in die erste Qualitätsstufe (Großes Gewächs) des Weinguts. Der anschließend aus den gesiebten Trauben herausgepresste Saft wird für die zweite Qualitätsstufe verwendet. Schönung oder Stabilisierung sind für Baltes tabu.

Und so kommt das herausragende Terroir des Klingenberger Schlossberges – geprägt durch die steilen Hänge, den Wärme speichernden Buntsandstein und das vom Spessart gespeiste Kaltluftbecken, Jahrgang für Jahrgang wunderbar und unverkennbar zur Geltung. Deutlicher geht es nicht.

 oben: Fassgeflüster im Klingenberger Keller. Lauschen nach dem biologischen Säureabbau. So wenig Korkkontakt wie möglich: Die frisch gefüllten Flaschen werden zunächst stehend gelagert.
unten: Gemeinsame Degustation mit Benedikt Baltes und seiner Lebensgefährtin Julia Bertram. Die Absolventin aus Geisenheim ist ebenfalls Winzerin. Ihre Weine wachsen an der Ahr und reifen anschließend in Baltes Keller in Klingenberg.

 

Fotos: Janne Böckenhauer
Foto mit hochsteigendem Schafbock: Robert Frey

 

 

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