Zwischen Rauchschwaden und Rebschnitt

Anfang Februar unternahmen wir erneut eine Reise ins Burgund. Auf dem Programm standen unter anderem ein Besuch bei der Domaine Truchetet zur Verkostung des neuen Jahrgangs 2024, sowie weitere Termine bei der Domaine Joseph Colin und bei Louis Mathieu, deren Weine seit einiger Zeit auf unserer Raritätenkarte vertreten sind.

Der Februar ist im Burgund eine ruhige Zeit. Der Tourismus spielt kaum eine Rolle, die Dörfer wirken fast verschlafen, und in den Weinbergen konzentriert sich alles auf die Arbeiten am Rebstock und die Vorbereitung der kommenden Vegetationsperiode. Während unseres Aufenthalts waren vielerorts kleine Rauchschwaden zwischen den Rebzeilen zu sehen – ein typisches Bild zur Zeit des Rebschnitts. Das anfallende Holz wird häufig direkt vor Ort in metallenen, schubkarrenähnlichen Wannen verbrannt. Die Weinberge sind kahl, die Böden feucht, und man bekommt einen guten Eindruck davon, wie viel Handarbeit in dieser Phase des Jahres geleistet wird.

Bei der Domaine Truchetet wurden wir von Pauline, der Frau von Morgan Truchetet, empfangen. Das Weingut befindet sich derzeit im Wandel. Neben dem bisherigen Standort in Prémeaux-Prissey hat die Familie in Corgoloin, in der Allée du Château nahe dem Château de Cussigny, ein neues Anwesen erworben. Auf dem Grundstück wurde eine moderne, funktional konzipierte Halle für Produktion und Logistik errichtet. Hier reifen jetzt auch alle Weißweine, wohingegen die Rotweine weiterhin im historischen Gewölbekeller in Prémeaux-Prissey lagern. Daneben steht ein älterer Gebäudekomplex, der aktuell von Grund auf renoviert wird und zukünftig ein Ort für Begegnungen und Verkostungen sein soll. Darüber hinaus bestehen Überlegungen zur Eröffnung eines kleinen Restaurants. In direkter Nachbarschaft befindet sich ein etwa zwei Hektar großes, derzeit brachliegendes Areal. Hier soll neben Weinbergen zur Demonstration von Rebschnitt und anderen weinbautechnischen Arbeiten wie Laubmanagement und Lesevorbereitung ein Trüffelwald entstehen. Die weitere Entwicklung der Domaine bleibt somit spannend; perspektivisch entwickelt sich hier ein ebenso authentischer wie einladender Ort, um Burgund und seine Weine unmittelbar zu erleben.

Im Mittelpunkt unseres Besuchs stand jedoch der Jahrgang 2024. Dieser fiel mengenmäßig äußerst klein aus. Fröste im Frühjahr sowie ein durch hohe Niederschläge erschwerter Pflanzenschutz während der Vegetationsperiode wirkten sich deutlich auf den Ertrag aus. Mit weniger als zehn Hektolitern pro Hektar lag die Ausbeute weit unter dem, was selbst im Burgund als „kleiner Ertrag“ üblich ist. Einige Cuvées konnten gar nicht produziert werden.

Neben den erwähnten baulichen Maßnahmen wird es auch im Portfolio der Weine einige Veränderungen geben: Die bisherige Zukaufslinie „Morgan Truchetet“ soll deutlich reduziert werden. Einerseits haben sich die Traubenpreise teilweise verdoppelt, was das übliche Négociant-Geschäft wirtschaftlich zunehmend unattraktiv macht, andererseits kamen rund vier Hektar zusätzliche Rebflächen aus Paulines Familie zum Weingut hinzu, womit die Linie „Vignoble de Pauline“ weiter ausgebaut werden kann.

Stilistisch präsentiert sich der Jahrgang 2024 eher kühl und präzise. Die Weißweine zeigen eine klare Säurestruktur, Frische und gute Spannung, ohne an Substanz zu verlieren. Die Rotweine wirken aktuell noch jugendlich und benötigen voraussichtlich etwas Flaschenreife, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Nachhaltig beeindruckt hat uns insbesondere der Bourgogne Aligoté, der erstmals im Barrique-Fass ausgebaut wurde – strukturiert, mit dichter Textur, präziser Frucht und bemerkenswertem Trinkfluss. Der „La Montagne“, ein Lieu-dit in der Hautes Côtes de Nuits, war für uns noch überzeugender als der 2023er. Puristisch im Stil, aromatisch leicht grünlich geprägt, jedoch ohne Unreife, begleitet von einer kargen, salzigen Mineralität. Begeistert waren wir ebenfalls vom Auxey-Duresses „Le Plain de Lugny“, der wie sein Jahrgangsvorgänger mit kerniger Kirschfrucht, kompaktem Körper und ziselierter Säure am Gaumen überzeugen konnte.

Ein ähnlicher Eindruck bestätigte sich später bei der Domaine Joseph Colin in Saint-Aubin. Besonders die Premier Crus überzeugten durch Finesse, Mineralität und eine ausgewogene Balance zwischen Frische und Tiefe. Die Weine wirken sehr präzise und spiegeln den kühleren Charakter des Jahrgangs überzeugend wider. Zum Abschluss besuchten wir Louis Mathieu in Pommard, ein junges Winzertalent mit klarer Handschrift. In diesem Jahr wird er erstmals verschiedene rote Cuvées aus der Côte de Nuits und der Côte de Beaune auf den Markt bringen. Aufgrund der sehr kleinen Mengen werden diese Weine ausschließlich über unsere Raritätenkarte erhältlich sein.

Die Reise hat einmal mehr gezeigt, wie stark das Burgund auch in ruhigeren Monaten von kontinuierlicher Arbeit und strukturellen Entwicklungen geprägt ist. Gerade außerhalb der Hochsaison ergeben sich dabei oft besonders informative Einblicke in die Betriebe und ihre Jahrgänge. Erfreulich ist zudem zu beobachten, dass viele – insbesondere jüngere – Akteur*innen neue Restaurants, Weinbars und zeitgemäße gastronomische Konzepte etablieren, die unkomplizierte, authentische Küche und charaktervolle Weine zu fairen Preisen anbieten. Eine Entwicklung, die der zunehmenden Spekulation am Markt wohltuend entgegenwirkt.

Fotos: vinocentral