Bertram-Baltes: Mit doppelter Power an der Ahr

Aus zwei mach eins: Aus den Weingütern Julia Bertram und Benedikt Baltes wird das Weingut Bertram-Baltes. Benedikt ist nach neun erfolgreichen Jahren im churfränkischen Klingenberg an die steilen Hänge seiner Heimat zurückgekehrt und in das Ahr-Weingut seiner Frau Julia eingestiegen. Die hat 2018 die gesamten Rebgärten ihrer Familie übernommen. Benedikt bekam bereits die ersten Mayschoßer Parzellen von seinem Vater vermacht. 

Das bedeutet: Doppelte Power auf mehr als doppelt so großer Fläche – und damit noch mehr Potenzial für trockenen, authentischen Ahr-Rotwein. Denn die beiden jungen Winzer*innen sind absolut Spätburgunder-verrückt und setzen kompromisslos auf eine elegante, kühle Stilistik.

Ewiger Weinbau in exponierten Steillagen – ganz ohne Glyphosat!

Julia und Benedikt bewirtschaften jetzt Rebstöcke in allen bedeutenden Lagen des Ahr-Tals. „Wir betreiben ewigen Weinbau. Das heißt, alte Rebstöcke werden gepflegt, nicht herausgerissen“, erzählt Benedikt bei unserem Besuch an einem grauen Winter-Morgen. Viele der Pflanzen haben 50 Jahre und mehr auf dem Buckel. „Wenn man behutsam vorgeht, können Rebstöcke bis zu 400 Jahre alt werden.“

Gearbeitet wird nach dem Leitbild der Permakultur, per Hand und mit so wenig Eingriffen in die Natur wie möglich. Grundgedanke ist, dauerhaft funktionierende, nachhaltige und naturnahe Kreisläufe zu schaffen. Die Umstellung auf biodynamischen Weinbau läuft, 2021 wird der Betrieb voraussichtlich zertifiziert. Das Argument, dass in Steillagen der Glyphosat-Einsatz zum Schutz vor Erosion unumgänglich ist, widerlegen die beiden eindrucksvoll. „Statt das Unkraut wegzuspritzen, gehen wir krugge.“ Julia lacht. „Was auf Rheinländisch so viel heißt wie jäten oder krauten.“ Das macht viel Arbeit und braucht ein beständiges Auge auf die Stöcke. Deshalb wird Benedikt wohl über Kurz oder Lang auch wieder bretonische Ouessantschafe zur Unterstockpflege einsetzen. In Klingenberg hat er damit gute Erfahrungen gemacht.

„Blaue Flecken sind an der Tagesordnung.“ Julia demonstriert, wie bei der Lese die Trauben-Kisten mit dem Schienbein vor dem Abrutschen gesichert werden. Benedikt erklärt das Prinzip des ewigen Weinbaus.

Many shades of Spätburgunder

Auf der nur 561 Hektar großen Rebfläche des Ahr-Tals gibt es im wesentlichen zwei Bodentypen. Der westliche Teil wird von steilen, dunklen Schieferhängen dominiert. Die Landschaft wirkt spektakulär, jeder noch so kleine Winkel ist terrassiert. Kalte Luftströme aus der Eifel sorgen für starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. 

Im östlichen Teil weitet sich das Tal. Die Böden bestehen aus gelbem Löss, hier und da durchsetzt mit etwas Quarzit. Es ist deutlich wärmer, denn das Klima wird vom Rheintal beeinflusst. 

Dementsprechend vielschichtig sind auch die Spätburgunder. Schon die Ortsweine aus Dernau (westlich) und Ahrweiler (östlich), obwohl beide von identischen Klonen gleichen Alters und im Keller vollkommen gleich behandelt, schmecken ganz anders.
Wir trinken fast ausschließlich Spätburgunder, aber die sind je nach Lage und Jahrgang so unterschiedlich, dass es nie langweilig wird“, sagt Benedikt. Damit das so bleibt, arbeiten sie den Lagenkern in ihren Weinen klar heraus. „Wir nehmen die Jahrgänge wie sie sind, die Weine sollen auf keinen Fall in ein Raster gepresst werden“, ergänzt Julia. „Es geht nicht darum, die Schwächen zu kaschieren, sondern die Stärken zu betonen.“ Das bedeutet Spontangärung, keine Filtration und nur minimaler Schwefeleinsatz. „Seit 2016 wird auch nicht mehr mit Most angereichert, denn schon das kleinste Bisschen würde alles kaputtmachen.“

„Die Rebe soll kämpfen, das tut ihr gut“

Der Berg verwittert von oben nach unten“, erklärt uns Benedikt. „Deshalb sind auch die Böden weiter oben am Dernauer Hardtberg deutlich magerer als im darunter liegenden Pfarrwingert. Aber das macht nichts. Die Rebe soll kämpfen, das tut ihr gut. Die Weinstöcke müssen in Konkurrenz sein und sich durchsetzen, wie in der freien Natur. Das macht die Trauben sehnig, den pH-Wert niedrig – und die Weine lagerfähig.“ 

Bei unserer anschließenden Verkostung im Haus von Julias Großvater Ernst Sebastian im alten Ortskern von Dernau können wir uns davon überzeugen. Den Lagenweinen ist das Lagerpotenzial deutlich anzumerken. Mit ihrer seidigen Struktur bereiten sie aber auch schon jetzt großes Trinkvergnügen.

 

Links: Keine Ecke mehr frei: Schieferterrassen im westlichen Ahr-Tal.  Rechts: Löss und Quarzit im östlichen Bereich. 

Pole Position in Aussicht! 

Wir probieren uns durch Mönchberg, Forstberg, Pfarrwingert, Rosenthal, Trotzenberg, Sonnenberg, Goldkaul – und sind rundum begeistert. Und das, obwohl das Ende der Fahnenstange noch gar nicht erreicht ist: Denn bisher tritt der Spätburgunder von Julia und Benedikt – kaum ist er eingemaischt – aus Platzmangel eine rund 240 Kilometer lange Reise nach Klingenberg am Main an, um in Benedikts ehemaligem Keller zu reifen. 

Doch damit ist bald Schluss, denn endlich hat das junge Winzerpaar im engen Ahr-Tal einen Ort gefunden, wo es ein neues Kellergebäude bauen kann. Nicht auszudenken, welche Qualitätssteigerung hier noch zu erwarten ist, wenn die langen Transportwege wegfallen!
Ein Platz unter den Spitzen-Weinweingütern der Ahr ist ihnen jetzt schon sicher. Die Pole Position in Aussicht!

Links: Fotografieren im Steilhang ist nicht ohne.  Rechts: Berg in Falten: Zwischen Altenahr und Mayschoß sieht man, wie die Gesteinsplatten des alten Faltengebirges sich aufstellen.

 Bertram-Baltes - Das neue Etikett ist in Arbeit.

Fotos: vinocentral

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