Mission Biodynamie: Besuch auf der Wein-Fachmesse 501 BIO-DYN in München

Zum Auftakt Champagner
Am Sonntagmorgen starteten wir unseren Besuch auf der 501 BIO-DYN mit einem Vortrag von Weinjournalist Christoph Raffelt über die Böden der Champagne und ihre Auswirkungen auf die Stilistik. Spannend waren seine Ausführungen über den ersten „Brexit“ als sich das Gebiet der heutigen Britischen Inseln von der Kontinentalplatte löste. Das Vorkommen von Kalkmergel in der Champagne, in den Weinbergen des Chablis, Sancerre und Pouilly-Fumé sowie an der südenglischen Küste (dessen Ort Kimmeridge ihm auch den Namen verlieh) zeugt noch heute davon, dass diese Gegend einst zum „Pariser Becken“ gehörte. Wen es interessiert: https://originalverkorkt.de/2015/05/die-champagne-und-das-pariser-becken-ein-blick-auf-das-wechselspiel-von-rebsorten-und-boeden/ 

Auf Entdeckungstour mit dem Zalto-Denk’Art-Glas
Anschließend war Arbeitsteilung angesagt: Yook und Michael ließen sich französische Weine ins Zalto-Denk’Art-Glas einschenken, Robert und Michi waren mit dem Gaumen zunächst in Italien unterwegs. Alexander und Janne drückten weiterhin gemeinsam die Seminar-Bank. Doch auch die Vorträge von demeter-Referentin Nina Weis, Weinwirtschafter und Dozent für biologischen und biodynamischen Weinbau, Götz Drewitz, sowie von demeter-Generalsekretär Christoph Simpfendörfer waren weder in inhaltlicher noch in praktischer Hinsicht trocken: Immer wieder konnte das Gehörte anhand von ausgeschenkten Weinen sinnlich nachvollzogen werden. So macht Fortbildung richtig Spaß!

Auch dass die Zalto-Denk’Art-Gläser trotz ihrer filigranen Beschaffenheit alltagstauglich sind, war an den zwei Messetagen eindrucksvoll zu erleben. Keines der vielen hundert Gläser, die für die Messegäste bereitstanden und von Letzteren permanent mit sich herumgetragen wurden, schien zerbrochen zu sein.

 

Von links nach rechts: Vortrag mit Stil (des Zalto-Denk’Art-Glases). Wissensdurst.Biertisch, Tischdecke, Cooler und Spucknapf: Mehr braucht’ s hier nicht.

Biodynamie überzeugt durch das Ergebnis im Glas – und im Mund
Für viele Winzer*innen liegt der Fokus heute in erster Linie auf der Gesundheit und Qualität der Trauben, deshalb stellen immer mehr von ihnen auf biodynamischen Anbau um, auch wenn sie keinen anthroposophischen Hintergrund haben. Der salutogenetische Ansatz in der Lehre Rudolf Steiners – sprich: der Versuch, Gesundheit zu erhalten, statt Krankheiten zu bekämpfen – überzeugt immer mehr. Wie Studien von Georg Meissner, der Koryphäe für biodynamischen Weinbau im deutschsprachigen Raum, belegen, führt Biodynamie zur Verringerung der Erträge, zu Lockerbeerigkeit, zu kürzeren Trieben und damit zu weniger stark verdichteten Laubwänden – also zu all jenen Faktoren, die Rebkrankheiten vorbeugen und für eine hohe Weinqualität ausschlaggebend sind.

Auch Martin Kössler sprach in München von einer historischen Umbruchphase im Weinbau. Der „Tausendsassa der deutschen Weinszene“ brachte es gewohnt pointiert zum Ausdruck: „Wenn beim Anbau alle Parameter stimmen, ist das ‚Making wine‘ kein ‚Making‘ mehr.“ Wie von selbst entstünden im Keller völlig entspannte Weine, voll innerer Dichte, Lebendigkeit und Länge, die an ihrem „Mundgefühl“ – nicht an ihren Analysedaten und ihrer Frucht gemessen werden sollten, so Kössler.

 

Von links nach rechts: Gruppenbild mit Valpolicella Classico Superiore. Bauer Lipp museumsreif. Rein gewaschen: Korken ohne „Kork“.  

Umwerfendes aus dem Valpolicell
Während die einen vinocentral-Mitarbeiter*innen noch Werner Michlits vom österreichischen demeter-Hof Mainklang lauschten, der über seine „Nichtschnittmethode“ berichtete und erzählte, dass diese an der Urrebe orientierte Kultivierung, zu kleinbeerigen, extraktreichen Trauben führe, entdeckten die anderen Teammitglieder*innen unter den Aussteller*innen ihren neuen Lieblings-Valpolicella-Winzer: Carlo Venturini. Er und seine Frau haben vor einigen Jahren ihren sicheren Job aufgegeben, um im Weingarten nahe des Gardasees das Erbe ihrer Großeltern anzutreten. Dort machen sie jetzt ihr ganz eigenes Ding: Sie keltern unter Berücksichtigung von Pflanzenphysiologie und natürlichen Kreisläufen ungemein eleganten, schlankenValpolicella Classico Superiore. Ihr Ripasso, den sie auf dem Etikett nicht Ripasso nennen, weil sie mit dem allgemeinen Ripasso-Ausbau nicht einverstanden sind, hat uns schier umgehauen. Ihr Ding ist auch unser Ding!

Was wir sonst noch alles entdeckt haben, finden Sie hoffentlich schon bald in unserem Weinregal!

 Noch mehr über Bio-Weine im vinocentral lesen Sie hier

Fotos: Alexander Marschall und Janne Böckenhauer