Meine-Nahe-Stopp 2: Gut Hermannsberg an der Schlossböckelheimer Kupfergrube

So unterschiedlich wie die Landschaft und die Böden an der Nahe, sind auch die dort ansässigen Winzerbetriebe. Unsere südkoreanische Weinexpertin Yook staunt nicht schlecht, als wir nach kurzer Fahrt auf gewundenen Sträßchen durch das enge Nahe-Tal plötzlich vor einer alten Steinbrücke mit Wappen des ehemaligen Königreichs Bayern stehen und auf der gegenüberliegenden Flussseite Gut Hermannsberg auf dem Kamm thront.
Durch die terrassierten Weinberge geht es steil hinauf zu dem imposanten Jugendstil-Ensemble. Oben angekommen erwarten uns eine herrliche Sonnenterrasse, ein geräumiger Degustationsraum samt Gastronomie und Gästehaus sowie modernste Kelleranbauten, die – als Reminiszenz an die legendäre Lage „Schlossböckelheimer Kupfergrube“ – mit dem rötlich schimmernden Metall verkleidet sind.

Von li nach re: Das historische Jugendstilgebäude mit seinen modernen Kelleranbauten und dem Degustationsraum. Blick auf die legendäre Schlossböckelheimer Kupfergrube.
Von li nach re: Das historische Jugendstilgebäude mit seinen modernen Kelleranbauten und dem Degustationsraum. Blick auf die legendäre Schlossböckelheimer Kupfergrube.

Es ist offenkundig, dass hier viel investiert wurde. Doch nicht nur in Haus und Keller – auch in die Weinberge selbst. Als vinocentral-Geschäftsführer Michael Bode-Böckenhauer 2011 während einer Familienradtour durch Zufall vorbei kam, fiel ihm sogleich auf, dass etwas im Gange war: So viele Menschen hatten lange nicht an den steilen Hängen der vormaligen Staatsdomäne gearbeitet.

Das Weingut blickt auf eine über 100-jährige, bewegte Geschichte zurück: 1901 wurde die Weinlage von preußischen Landvermessern klassifiziert. Aufgrund dieser Bewertung gründete die Preußische Regierung hier ein Jahr später ihre königlich-preußische Weinbaudomäne. Mithilfe von Strafgefangenen wurden die überwucherten, trockenen Hanglagen und das alte Kupferbergwerk hergerichtet und neue Weinberge angelegt. Es war leidvolle Schwerstarbeit. Als Dr. Christine Dinse und Jens Reidel das Weingut 2010 kauften und damit begannen, seinen Weinen den alten Glanz zurückzugeben, machte sie sich auch daran, den Werdegang des Betriebes in einem aufwendigen Buch zu dokumentieren.

Keine drei Jahre dauerte es, bis das Ziel erreicht war: 2013 wurde Gut Hermannsberg vom Gault&Millau sowie von Stuart Pigott zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt.
Heute liegt das Augenmerk dank des Kellermeisters auf dem Terroir. Karsten Peter will keinen Wein „machen“, sondern den einzelnen Weinbergslagen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln. Deshalb werden die meisten Parzellen einzeln vinifiziert.

Schon die Gutsweine sind beeindruckend: Der „Just Riesling!“ 2015 und der Weiße Burgunder 2015 bestechen durch ein ausgewogenes Säure-Restzucker-Spiel. Sie sind extrem frisch und fruchtbetont – und damit eine willkommene Abwechslung für alle, die es nicht so gerne knochentrocken mögen.
Natürlich muss es auch einen Lagenwein für das vinocentral geben: Unsere Wahl fällt auf den Schlossböckelheimer Riesling „Vom Vulkan“ VDP. Ortswein 2015 von der Schlossböckelheimer Kupfergrube, geprägt von Melaphyr und vulkanischem Eruptivgestein mit Carbonschiefer-Einlagerungen. Ein herrlicher Wein auf dem Weg zum Großen Gewächs. Würzig, trocken, mit viel frischer Frucht!

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Unsere Weinauswahl für den Weinabend „Meine Nahe!“

Weißer Burgunder VDP. Gutswein 2015     9,90 €  Mitnahmepreis o,75l
Von den Kollegen bei der Übernahme zunächst kritisch beäugt hat der Private-Equity-Experte Jens Reidel mit seinem Team die damals marode Weinbaudomäne binnen weniger Jahre unter die Top-Erzeuger an der Nahe gebracht. Dass man hier nicht nur Riesling beherrscht, zeigt dieser feine Weiße Burgunder: Blüten und Zitrusnoten im Bukett gefolgt von einer klaren Frucht, feinem burgundischem  Schmelz und leicht rauchig-steiniger Mineralik.

Just Riesling! VDP. Gutswein 2015     9,50 €  Mitnahmepreis o,75l
„Einfach Riesling“ will dieser Gutswein sein – und das kann man dem populären Aushängeschild des Weinguts gerne zugestehen. In der Nase Zitrusnoten mit exotischen gelbfruchtigen Anklängen. Am Gaumen schlank, angenehm unkompliziert und leichtfüßig mit schöner Frucht und zarter Mineralik. Easy-Drinking-Riesling zur Vesper oder zwischendurch – hier stimmen Anspruch und Wirklichkeit.

Vom Vulkan, Schlossböckelheimer Riesling VDP. Ortswein 2015     14,50 €  Mitnahmepreis o,75l
Ein Kind der berühmten von Vulkangestein geprägten Lage Kupfergrube, aus Parzellen, die in ein paar Jahren in das Große Gewächs einfließen werden. Genießen wir also die preisgünstige Zeit mit dem Star in spe. Die gelben Fruchtnoten werden von Feuerstein umspielt, am Gaumen gesellen sich Kräuter, Orangenzesten und etwas Maracuja dazu. Filigran, würzig mit einer leicht herben Frucht. Lecker!

Riesling Kupfergrube VDP. Großes Gewächs 2010     32,90 €  Mitnahmepreis o,75l
2010 war ein extrem schwieriges Weinjahr – viele Winzer haben damals darauf verzichtet, überhaupt mit einem Großen Gewächs aufzuwarten. Bei Gut Hermannsberg ist man das Wagnis eingegangen – sechs Jahre später steht der Wein noch immer recht fit im Glas: vollreife Birne, Tee, Akazienhonig und florale Noten im Bukett. Am Gaumen dicht, vielschichtig, mit milder Säure und angenehmer Extraktsüße. Eine echte Überraschung in diesem Jahrgang!

Hier geht die Reise weiter zu:
Weingut Hahnmühle, Mannweiler-Cölln im Alsenztal
Weingut Emrich-Schönleber, Monzingen, Mittlere Nahe
Weingut Joh. Bapt. Schäfer, Burg-Layen, Untere Nahe
Weingut Korrell, Bad Kreuznach-Bosenheim, Mittlere Nahe

Angebot gültig, solange der Vorrat reicht.

Text und Fotos: Janne Böckenhauer
Weinbeschreibungen: vinocentral-Team

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