Griechenland: Theros Wines Collectiva, Kreta

Auf Umwegen zurück zum Wein

Eigentlich beginnt die Geschichte von Th{eros} mit einem kleinen Jungen auf Kreta, der seinem Großvater gelegentlich im Weinberg zur Hand ging. Denn das war Constantinos Manouras' erster Kontakt mit der Welt des Weins und legte vermutlich zumindest einen der Grundsteine für sein späteres Leben als Winzer. Doch sollte er erst auf Umwegen wieder zum Wein zurückfinden. Zunächst folgte der junge Constantinos nämlich einer anderen Begabung – und wohl auch einer Sehnsucht nach der großen weiten Welt und dem urbanen Leben: Er studierte Bildende Kunst, arbeitete als Grafikdesigner – später auch als Tattoo-Artist – und ging zunächst mal ins Ausland. „I was a real ‚city boy' at that time", meint er rückblickend. Irgendwann kehrte er nach Kreta zurück und ging in Heraklion, der Hauptstadt der Insel, seinen kreativen Berufen nach. Dort folgte eines Tages der nächste Baustein für die Geschichte von Th{eros}. Um den zu verstehen, ist jedoch ein kleiner Umweg durch die Geschichte des kretischen Weins vonnöten …

Kreta und seine vergessenen Rebschätze

Weinbau gab es auf Kreta nachweislich schon in der minoischen Kultur, also seit über 4.000 Jahren. Im Lauf der Geschichte durchlief er bis in unsere Zeit verschiedene Höhen und Tiefen. So war es Mitte des 20. Jahrhunderts für einige Zeit sogar mal gewinnbringender, Rosinen statt Wein zu vermarkten. Doch mit dem allgemein wachsenden Wohlstand in Europa und dem aufkommenden Tourismus entstanden auch auf Kreta moderne Weinbaubetriebe. Wie jener der Brüder Lyrarakis – auf sie kommen wir noch zurück – im Jahr 1966. Bis in die 1970er-Jahre herrschten die indigenen kretischen Rebsorten wie Plyto, Vidiano oder Thrapsathiri vor – meist im gemischten Satz –, doch hielten peu à peu auch die international erfolgreichen französischen Sorten wie Merlot oder Chardonnay Einzug. Dann kam es schließlich zur entscheidenden Katastrophe: Ab Mitte der 1970er-Jahre – und damit rund hundert Jahre später als im Rest von Europa – fiel die Reblaus auf der Insel ein und vernichtete einen Großteil der Rebbestände. Beim Wiederaufbau der Weinberge waren es dann – dem Zeitgeist geschuldet – vor allem die internationalen Superstars, die neu gepflanzt wurden. Das versetzte den althergebrachten Sorten den letzten Todesstoß; ihre Potenziale gerieten schnell in Vergessenheit. Außer eben bei Familie Lyrarakis. Die engagierte sich fortan verstärkt für deren Erhalt und brachte 1996 zum ersten Mal einen reinsortigen Plyto auf den Markt. Und damit führt unser Umweg auch endlich wieder zurück zu Th{eros}: Einen solchen Plyto von Lyrarakis hatte Constantinos Manouras nämlich eines Tages vor sich im Glas und war von dem Wein und seiner Geschichte so ergriffen, dass er schließlich begann, sich mit Weinbau und den alten Rebsorten Kretas zu beschäftigen. Damit war die Geburtsstunde von Th{eros} bereits eingeläutet …

Sommer, Liebe, Wein

2020 gründete Constantinos Manouras schließlich sein Weinprojekt mit dem Namen „Th{eros} Wines Collectiva". Die poetische Wortschöpfung „Th{eros}" setzt sich aus dem griechischen Begriff für „Sommer" bzw. auch „Ernte" und dem für „Liebe" zusammen. Im Fokus stehen hier die alten kretischen weißen Rebsorten Plyto, Thrapsathiri und Vidiano. Dabei kann Constantinos zum Teil auf Parzellen zurückgreifen, die noch im Besitz seiner Familie waren; andere Flächen pachtet er hinzu. Bevorzugt sind das solche mit alten Rebbeständen, die nicht der Reblaus zum Opfer gefallen sind. Daneben nimmt er aber auch Neupflanzungen vor. Immer geht es ihm dabei um die akribische Untersuchung des Zusammenspiels von Rebe und Terroir. Folgerichtig setzt er im Weinberg auf schonenden Pflanzenschutz – möglichst unter Verzicht auf chemische Pestizide – und bei der Vinifikation auf „Low Intervention", also auf möglichst geringe önologische Eingriffe. So verbindet sich in Th{eros} auf recht besondere Weise die jahrhundertealte Weinbautradition Kretas mit einer progressiven Auffassung von Wein. Und die Ergebnisse bewegen sich durchweg auf höchstem Niveau. Die Weine sind allesamt Charakterköpfe, die nie einfach nur süffig oder gefällig ausfallen, sondern durch ihre Struktur, ihre Mineralität und ihre höchst individuelle Ausdruckskraft in ihren Bann ziehen. Mit ihnen hat sich Constantinos Manouras binnen weniger Jahre vom quereinsteigenden Dilettanten zu einem der spannendsten Winzer Griechenlands gemausert. Man darf gespannt sein, wie diese schöne Geschichte von Sommer, Liebe und Wein weitergeht.

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Griechenland: Theros Wines Collectiva, Kreta

Auf Umwegen zurück zum Wein

Eigentlich beginnt die Geschichte von Th{eros} mit einem kleinen Jungen auf Kreta, der seinem Großvater gelegentlich im Weinberg zur Hand ging. Denn das war Constantinos Manouras' erster Kontakt mit der Welt des Weins und legte vermutlich zumindest einen der Grundsteine für sein späteres Leben als Winzer. Doch sollte er erst auf Umwegen wieder zum Wein zurückfinden. Zunächst folgte der junge Constantinos nämlich einer anderen Begabung – und wohl auch einer Sehnsucht nach der großen weiten Welt und dem urbanen Leben: Er studierte Bildende Kunst, arbeitete als Grafikdesigner – später auch als Tattoo-Artist – und ging zunächst mal ins Ausland. „I was a real ‚city boy' at that time", meint er rückblickend. Irgendwann kehrte er nach Kreta zurück und ging in Heraklion, der Hauptstadt der Insel, seinen kreativen Berufen nach. Dort folgte eines Tages der nächste Baustein für die Geschichte von Th{eros}. Um den zu verstehen, ist jedoch ein kleiner Umweg durch die Geschichte des kretischen Weins vonnöten …

Kreta und seine vergessenen Rebschätze

Weinbau gab es auf Kreta nachweislich schon in der minoischen Kultur, also seit über 4.000 Jahren. Im Lauf der Geschichte durchlief er bis in unsere Zeit verschiedene Höhen und Tiefen. So war es Mitte des 20. Jahrhunderts für einige Zeit sogar mal gewinnbringender, Rosinen statt Wein zu vermarkten. Doch mit dem allgemein wachsenden Wohlstand in Europa und dem aufkommenden Tourismus entstanden auch auf Kreta moderne Weinbaubetriebe. Wie jener der Brüder Lyrarakis – auf sie kommen wir noch zurück – im Jahr 1966. Bis in die 1970er-Jahre herrschten die indigenen kretischen Rebsorten wie Plyto, Vidiano oder Thrapsathiri vor – meist im gemischten Satz –, doch hielten peu à peu auch die international erfolgreichen französischen Sorten wie Merlot oder Chardonnay Einzug. Dann kam es schließlich zur entscheidenden Katastrophe: Ab Mitte der 1970er-Jahre – und damit rund hundert Jahre später als im Rest von Europa – fiel die Reblaus auf der Insel ein und vernichtete einen Großteil der Rebbestände. Beim Wiederaufbau der Weinberge waren es dann – dem Zeitgeist geschuldet – vor allem die internationalen Superstars, die neu gepflanzt wurden. Das versetzte den althergebrachten Sorten den letzten Todesstoß; ihre Potenziale gerieten schnell in Vergessenheit. Außer eben bei Familie Lyrarakis. Die engagierte sich fortan verstärkt für deren Erhalt und brachte 1996 zum ersten Mal einen reinsortigen Plyto auf den Markt. Und damit führt unser Umweg auch endlich wieder zurück zu Th{eros}: Einen solchen Plyto von Lyrarakis hatte Constantinos Manouras nämlich eines Tages vor sich im Glas und war von dem Wein und seiner Geschichte so ergriffen, dass er schließlich begann, sich mit Weinbau und den alten Rebsorten Kretas zu beschäftigen. Damit war die Geburtsstunde von Th{eros} bereits eingeläutet …

Sommer, Liebe, Wein

2020 gründete Constantinos Manouras schließlich sein Weinprojekt mit dem Namen „Th{eros} Wines Collectiva". Die poetische Wortschöpfung „Th{eros}" setzt sich aus dem griechischen Begriff für „Sommer" bzw. auch „Ernte" und dem für „Liebe" zusammen. Im Fokus stehen hier die alten kretischen weißen Rebsorten Plyto, Thrapsathiri und Vidiano. Dabei kann Constantinos zum Teil auf Parzellen zurückgreifen, die noch im Besitz seiner Familie waren; andere Flächen pachtet er hinzu. Bevorzugt sind das solche mit alten Rebbeständen, die nicht der Reblaus zum Opfer gefallen sind. Daneben nimmt er aber auch Neupflanzungen vor. Immer geht es ihm dabei um die akribische Untersuchung des Zusammenspiels von Rebe und Terroir. Folgerichtig setzt er im Weinberg auf schonenden Pflanzenschutz – möglichst unter Verzicht auf chemische Pestizide – und bei der Vinifikation auf „Low Intervention", also auf möglichst geringe önologische Eingriffe. So verbindet sich in Th{eros} auf recht besondere Weise die jahrhundertealte Weinbautradition Kretas mit einer progressiven Auffassung von Wein. Und die Ergebnisse bewegen sich durchweg auf höchstem Niveau. Die Weine sind allesamt Charakterköpfe, die nie einfach nur süffig oder gefällig ausfallen, sondern durch ihre Struktur, ihre Mineralität und ihre höchst individuelle Ausdruckskraft in ihren Bann ziehen. Mit ihnen hat sich Constantinos Manouras binnen weniger Jahre vom quereinsteigenden Dilettanten zu einem der spannendsten Winzer Griechenlands gemausert. Man darf gespannt sein, wie diese schöne Geschichte von Sommer, Liebe und Wein weitergeht.

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