Frankreich: Domaine Les Pieds sur Terre - Valentin Morel, Jura
Auf Umwegen zurück zu den Wurzeln
Eigentlich wollte der Winzersohn Valentin Morel überhaupt nicht in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten. Sein Vater hatte zuletzt die renommierte Domaine Morel-Thibaut geführt. Doch Valentin kehrte der Weinwelt direkt nach der Schule den Rücken, studierte internationales Recht und schlug eine Laufbahn als Verwaltungsbeamter ein. Es waren gewissermaßen intellektuelle Umwege – die Lektüre außergewöhnlicher Theoretiker in seiner Freizeit –, die ihn schließlich doch noch zu seinen bäuerlichen Wurzeln zurückführten. Stark beeinflusst haben ihn dabei die Bücher des amerikanischen Philosophen Matthew B. Crawford, der die Bedeutung des handwerklich-schöpferischen Tätigseins für den Menschen thematisiert, aber auch die philosophischen Betrachtungen des japanischen Mikrobiologen und Bauern Masanobu Fukuoka mit ihrem anderen Blick auf Landwirtschaft und Natur – heute Standardwerke des Guerilla Gardenings und der Permakultur.
Gründung der Domaine Les Pieds sur Terre
Davon beeinflusst begann Valentin Morel, sich mit dem biologisch-dynamischen Weinbau und den Ideen der Naturweinbewegung zu beschäftigen, hängte schließlich seinen alten Beruf an den Nagel und absolvierte Praktika bei den beiden Naturwein-Koryphäen Pierre Frick und Bruno Schueller im Elsass. So gewappnet kehrte er 2014 in die kleine Gemeinde Poligny zurück, um dort mit der Unterstützung seines Vaters die Weinberge der Familie auf Biodynamie umzustellen und schließlich die Domaine Les Pieds sur Terre aus der Taufe zu heben.
Der bodenständige Advokat des „anderen Weins“
Frei übersetzt bedeutet der Weingutsname „mit beiden Beinen auf der Erde stehen“ – und darin kommt Valentins Geisteshaltung zum Ausdruck, mit der er auf seine landwirtschaftliche Tätigkeit blickt. Für ihn ist der Weinbau aber auch ein politisch-ökologisches Projekt, das unter anderem Antworten auf den Klimawandel finden und bäuerlichen Widerstand gegen die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft leisten muss. Mittlerweile hat er seine Gedanken zu Ökologie und Nachhaltigkeit auch in einem viel beachteten Buch, „Un autre vin“ („Ein anderer Wein“), veröffentlicht.
Spitzenerzeuger der Naturweinszene des Jura
Noch mehr Beachtung findet er heute jedoch mit seinen außergewöhnlich präzisen und dabei völlig naturbelassenen Weinen – getreu seinem Motto: „Wein sollte vergorener Traubensaft sein – und sonst nichts.“ Binnen weniger Jahre hat er seine Domaine unter den Spitzenerzeuger*innen der agilen Naturweinszene im Jura positioniert. Seine stets gut durchdachten, aber eben auch nicht „verkopften“ Weine werden längst von der globalen Naturweingemeinde gefeiert, finden durch ihre reintönige Art aber auch in konservativeren Kreisen Anklang. Und so ist Valentin Morel ein doppeltes Glück für die alternative Weinkultur: als versierter Weinkunsthandwerker mit außergewöhnlichem Berufsethos und höchsten Qualitätsansprüchen – und zugleich als einer ihrer eloquentesten Advokaten.