Guter Wein – Gute Sache. Zu Besuch bei Florian Fauth vom Weingut Seehof

Hinterm Seehof entspringt der Seebach – mit 90 Litern pro Sekunde die wasserreichste Quelle Rheinhessens, sommers wie winters konstant 10 °C warm und Lebensort für ein gutes Dutzend Forellen und Saiblinge. In einer ländlichen Umgebung, zwischen Wiesen und Feldern, wäre das nicht weiter erwähnenswert, doch Weingut und Quelle liegen mitten im verwinkelten Ortskern von Westhofen, einer rund 3.200 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Gemeinde im schönen rheinhessischen Wonnegau. Der in ein gemauertes Flussbett eingefasste Seebach schlängelt sich parallel zu den engen Gassen durch das historische Örtchen. Immer wieder sind Trittsteine in den Bachlauf eingelassen, die an die Zeit erinnern, als hier noch die Wäsche per Hand gewaschen wurde.
Klar, dass Florian Fauth uns zunächst an diesen geschichtsträchtigen, schönen Ort führt, der dem 1.200 Jahre alten Anwesen seinen Namen gab. Seit den 2000er-Jahren leitet Florian das Weingut zusammen mit seinem Vater und ist als Kellermeister für Ausbau und Charakter der Weine zuständig. Der Jungwinzer gilt schon seit geraumer Zeit als Meister der Scheurebe, doch auch mit seinen eleganten, trockenen Rieslingen sorgt er bei Verkostungen immer mehr für Aufsehen, allen voran mit seinem Riesling Morstein „Alte Reben“.

Im Sommer erfrischend kühl – im Winter erstaunlich warm: die Seebachquelle hinter dem Weingut Seehof

Riesling, Zypressen und Trulli – auf Hohlwegen zu den Westhofener Lagen Kirchspiel, Morstein und Steingrube

Morstein, Kirchspiel und Steingrube sind die Paradelagen der Gemarkung Westhofen, deren Rebfläche mit ihren 764 ha deutlich größer ist als beispielsweise die Weinbaugebiete Hessische Bergstraße (441,5 ha) oder Ahr (563 ha). 
„Das Spannendste hier sind die Böden“, sagt Florian. „Die vielen verschiedenen, häufig wechselnden Bodentypen und die unterschiedlichen Kleinklimata machen das Besondere der Westhofener Lagen aus.“ Also, raus in die Weinberge. Doch wer aufgrund der Größe monotone Rebhänge erwartet, täuscht sich. Schon der Anblick ist abwechslungsreich, das Gebiet nicht flurbereinigt. Das Sträßchen windet sich krumm und schief – teils als Hohlweg – durch das unebene Gelände. Immer wieder stehen Zypressen und kleine Unterstände zwischen den Parzellen. Weil der Weg ins Dorf so weit ist, gibt es in der Gemarkung mehr als 50 Schutzhütten, einige davon in Form von apulischen Trulli.
Und die Zypressen? Macht das Wonnegau hier jetzt vollends auf Italien? Florian lacht. „Die Zypressen hat einst Winzer und Bio-Pionier Günter Wittmann aus der Toskana importiert. Sie haben sich hier derart durchgesetzt, dass sie mittlerweile schon fast zum traditionellen Landschaftsbild gehören.
Wir fahren hinauf zum alten Julius-Turm, der auf 260 Meter Höhe, oberhalb der Lage Kirchspiel steht. Von hier oben, von der äußersten Gemarkungsgrenze, bis hinunter an den Rhein sind es rund 12 km Luftlinie. Unten im Tal, 100 Meter über dem Meeresspiegel, liegt Westhofen. Der Höhenunterschied von 160 Metern macht acht Tage Reifeverschiebung aus. „An dieser Stelle ist oft Westwind. Die Lage Kirchspiel ist dadurch sehr windgeschützt, sodass der Riesling wunderbar reifen kann. Noch bis in die 1980er-Jahre hinein war das nicht möglich“, erzählt Florian. „Da spielt uns der Klimawandel in die Hände.“

 

1 Blick vom Julius-Turm über das Westhofener Kirchspiel. 2 Prominenter Nachbar im Kirchspiel: die Parzellen des renommierten VDP-Weinguts Keller. 3 Trullo innerhalb der Lagen Westhofener Morstein 

Was macht der Winzer im Winter? 

Jetzt im Januar werden überall die Rebstöcke gestutzt. Für den „goldenen“ Schnitt sorgt der Winzer selbst, das „Holz“ ziehen die Saisonarbeiterinnen und -arbeiter aus den Rebreihen heraus. „Das beschäftigt uns die nächsten sechs Wochen“, erzählt Florian.
Zurück auf dem Weingut Seehof, zeigt er uns seine Stockinger-Fässer und Edelstahltanks, in denen der 2017er-Jahrgang friedlich auf der Vollhefe vor sich hinreift. Noch, denn in wenigen Wochen wird mit der Filtration und der Cuvée-Arbeit begonnen. Jeder der reinsortigen Weine des Weinguts ist eine Cuvée aus unterschiedlichen Parzellen, gereift in verschiedenen Fässern und Tanks. Beim Kontakt mit Sauerstoff gehen Aromen verloren. Um jedes unnötige Pumpen zu vermeiden, werden die einzelnen Partien direkt bei der ersten Filtration zusammengeführt. „Die Vorproben im Standzylinder mache ich allein. Wenn die grobe Richtung steht, lade ich Kollegen zu einer Jungweinprobe ein“, sagt Florian. So sieht also die viel zitierte Netzwerkarbeit der neuen Winzergeneration aus! Während sich die Seniorwinzer ungern in die Karten schauen ließen, setzen die Junioren auf Gedankenaustausch. „Dabei muss die Runde natürlich stimmen, konstruktive Kritik ist gefragt. Eine offene und ehrliche Meinung, ohne übertriebe Höflichkeit, aber auch ohne Konkurrenzdenken. Wenn das gegeben ist, kann durch diese Gespräche ein eigener Zweifel ausgeräumt oder an einer Cuvée noch etwas nachjustiert werden.“
Jetzt, Anfang Februar, ist das Feintuning des 2017er-Jahrgangs abgeschlossen, der Wein aber noch nicht abgefüllt. Florian holt deshalb Fassproben für uns aus dem Kühlschrank. Nun kommen wir endlich zu dem Projekt, das uns zu dieser ungewöhnlichen Jahreszeit in den Wonnegau getrieben hat: Die Weißweincuvée „Same same but different“.

 

Guter Wein – Gute Sache: der „Same same but different“ von Florian Fauth

Same same but different

Im Gegensatz zu Florians übrigen Weinen ist sein „Same same but different“  nicht reinsortig, sondern eine Melange aus Muskateller, Riesling und Weißburgunder. Während die Methode, aus verschiedenen Rebsorten einen Wein zu machen, beispielsweise in Frankreich gang und gäbe ist, tut man sich in Deutschland immer noch schwer damit. „Dabei ist das im Prinzip eine gute Sache“, sagt Florian und schmunzelt, „sonst würden es die Franzosen ja nicht machen.“ 
Was er damit meint, können wir kurz darauf beim Verkosten des „Same same but different 2017“ deutlich schmecken: Mit seiner schönen Muskateller-Nase, der frischen Riesling-Säure und dem wunderbar schmelzigen Abgang eines Weißburgunders ist die Weißweincuvée äußerst gelungen. „Die Idee war, die verschiedenen Komponenten zusammenzuführen“, so Florian. – Und das nicht nur geschmacklich. Denn noch ein ganz anderes Anliegen hat den Winzer zu diesem Wein veranlasst. 
Mit seinem „Same same but different“ – was soviel heißt wie „Gleich, aber dennoch verschieden“ – will Florian Fauth Aufmerksamkeit schaffen für das Thema „Down-Syndrom“, das seiner Erfahrung nach in der Öffentlichkeit immer noch wenig bekannt ist. Der Winzer hat selbst einen kleinen Sohn mit Down-Syndrom und weiß daher aus eigener Erfahrung, dass es aus Unkenntnis oft Berührungsängste gibt. Mit dem Erlös aus dem Weinverkauf unterstützt er Projekte, die Menschen mit Down-Syndrom fördern. Noch wichtiger als der finanzielle Aspekt sind ihm allerdings Aufklärung und Akzeptanz. Was durchaus zu gelingen scheint: Das Interesse der Medien ist groß, die jeweils 2.500 schön etikettierten Flaschen der ersten beiden Jahrgänge sind längst ausverkauft. Jetzt folgt der „Same same but different“ 2017.

Auch wir werden den 2017er-Jahrgang wieder ins Sortiment nehmen – und zwar aus zweierlei Gründen: zum einen, weil uns die Weißweincuvée gut gefällt, zum anderen, weil auch uns der selbstverständliche Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung am Herzen liegt. Zu unserem bunt gemischten vinocentral-Team gehören schon seit zwei Jahren zwei junge Männer mit Beeinträchtigung, einer davon mit Down-Syndrom. Dadurch erleben wir jeden Tag aufs Neue, dass die Offenheit und der Respekt, die jede*r einzelne von uns den beiden entgegenbringt, auf den Umgang insgesamt miteinander „abfärben“. Es schafft ein anderes Arbeitsklima, das allen im Team und damit auch der Atmosphäre im Ladengeschäft sichtlich gut tut. Diese Erfahrung möchten wir gerne weitergeben!

Oder um es mit Florian Fauth zu sagen: „Wie langweilig wäre das Leben, wenn nicht ab und zu ein paar von uns aus der Reihe flattern würden. Mit seiner Individualität macht jeder Einzelne von uns die Welt ein bisschen bunter. Die Hauptsache ist doch, dass jeder die gleichen Chancen hat.“ Dem können wir uns nur anschließen! Seine abwechslungsreiche Cuvée macht das besonders schön deutlich.

Der neue Jahrgang ist ab dem 21. März, dem Welt-Down-Syndrom-Tag, im vinocentral erhältlich.

 

 

Fotos: Janne Böckenhauer

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