Vincent will hoch hinaus

An der Pfälzer Mittelhaardt gibt es kaum noch Rebflächen zu kaufen, deshalb pachte ich dazu, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Unser Weingut ist noch relativ jung. Es wurde erst in den 1960er-Jahren gegründet. Deshalb haben wir nicht so viel Land“, erklärt Vincent Eymann an einem nasskalten Novembermorgen, als wir mit ihm durch Mandelgarten, Fuchsmantel, Königswingert und Schlossberg stapfen. Er ist offenbar gut vernetzt. Gleich drei Parzellen konnte der Gönnheimer Winzersohn in jüngster Zeit übernehmen. Allesamt ziemlich hoch gelegen, an waldreichen Ecken, teilweise terrassiert. Wahre Filetstücke, von denen in den nächsten Jahren einiges an Qualität zu erwarten ist.
Doch erst einmal machen sie viel Arbeit. Vincent rodet, pflanzt neu, pfropft um. Am Oberen Fuchsmantel, einem der wenigen Weinberge der Pfalz, die nicht flurbereinigt sind, wachsen zwischen Bäumen und Hecken 88 Jahre alte, teils wurzelechte Riesling-Stöcke, die gut gepflegt sein wollen. „Je näher sie an den Bäumen stehen, desto größer ist die Gefahr durch Tiere. Doch dafür gibt es hier oben kühle Winde, die eine lange Reifezeit und eine gute Säurebildung befördern. Und zum Glück mögen Vögel nicht so gerne Riesling“, schmunzelt er.
Ganz anders sieht es beim Spätburgunder aus, den Vincent auf einem weiteren neuen Grundstück gleich um die Ecke anpflanzen will. „Ich werde die Rebzeilen komplett einnetzen, um sie vor Wildfraß zu schützen“, erzählt er. „Das ist aufwendig! Aber ich verspreche mir viel von dieser Parzelle, die alles andere als typisch für die Lage Königswingert ist. Wir sind hier immerhin noch zehn bis zwanzig Meter höher als am Oberen Fuchsmantel. Wäre es heute klar, könnten wir bis nach Frankfurt schauen.“

Wie in Watte: Novembernebel am Oberen Fuchsmantel und an der hochgelegenen Zone des Königswingerts.

Spätburgunder mit Premium- und Champagner-Genetik 
Spätburgunder ist Vincents Steckenpferd. Im Mandelgarten hat er im vergangenen Jahr Pinot Noir mit Premium-Genetik nach Burgunder-Vorbild neu angepflanzt, um daraus elegante Rotweine zu keltern.

In Gönnheim pfropft er gerade Pinot mit Champagner-Genetik auf alte St.-Laurent-Stöcke, um seiner ambitionierten Sekt-Produktion weiter Vorschub zu leisten.
Ich musste lange suchen, bis ich in Freiburg jemanden gefunden habe, bei dem ich mir ein paar dieser Edelreiser scheiden konnte. Die Trauben enthalten deutlich weniger Zucker, Farbe und Tannin. Dafür haben sie viel Säure, sodass deutlich schlankere und frischere Grundweine entstehen, wie man sie für erstklassigen Schaumwein aus traditioneller Flaschengärung braucht. Trotzdem sind sie in Deutschland noch immer selten. Die meisten verwenden Marienfelder Klone aus Österreich. Doch Pinot mit Champagner-Genetik ist besser“, ist er überzeugt.

 

Alte Trockenmauern am terrassierten Schlossberg: Hier wächst Riesling neben Silberdistel, sonnen sich Trauben neben Smaragdeidechsen

„Grand Crus“ vom Wachenheimer Schlossberg
Schließlich fahren wir zum Wachenheimer Schlossberg. Das Gebiet rund um die Burgruine Wachtenburg ist einer der wenigen Orte in Deutschland, an denen es noch Smaragdeidechsen gibt, und steht unter Naturschutz. Vincents terrassierte 11 Ar (= 0,11 Hektar) sind so steil, dass alles nur per Hand gemacht werden kann. Dafür ist der Boden wunderbar locker, denn er hat noch nie eine Maschine gesehen.
Der engagierte Winzer hat die alten wurzelechten Kerner-Stöcke mühevoll auf Riesling umveredelt. „Ich musste den ganzen Sommer über mit der Gießkanne wässern“, erzählt er. Beim Pfropfen auf einen im Wingert stehenden Rebstock wurzelt dieser zwar schon tief im Boden, dennoch braucht er anfangs zusätzlich Wasser. Die Triebspitze einer Rebe fungiert als Kommandozentrale, die Impulse für ein gesundes Wachstumsverhalten gibt. Bis sie vollständig ausgebildet ist, muss die sensible Pflanze unterstützt werden.     
Die sogenannte Grün- bzw. Stammveredelung ist besonders in südlichen Ländern verbreitet. Mit steigenden Temperaturen setzt sie sich aber auch hierzulande immer mehr durch.
Der Riesling vom Schlossberg soll quasi Vincents „Grand Cru“ werden. Wir sind sehr gespannt, auf die erste Lese im Herbst 2020. Ein paar Flaschen vom Jungfernertrag haben wir bereits reserviert.  Nach diesem Besuch ist uns einmal mehr klar: Vincent will hoch hinaus – und zwar in jeder Beziehung.    

 Viel Arbeit. /// Seltene Mußestunden. /// Der vielen Mühe Lohn.                                                                                             

 Grünveredelung im Mandelgarten und am Schlossberg.

 Fotos: vinocentral

 

 

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