Meine-Nahe-Stopp 4: Weingut Joh. Bapt. Schäfer in Burg Layen

Wir fahren flussabwärts Richtung Bingerbrück, wo die Nahe in den Rhein mündet. Unser Ziel ist das kleine Dorf Burg Layen. Um die Namen gebende Ruine drängen sich gleich mehrere Weinbaubetriebe, zwei davon sind Mitglied im Verband VDP. Die Prädikatsweingüter.

Uns erwartet Sebastian Schäfer vom VDP-Weingut Joh. Bapt. Schäfer, das von ihm seit 2002 in vierter Generation geführt wird. Kaum aus dem Auto gestiegen, geht es mit seinem Geländewagen weiter zum Laubenheimer Karthäuser, einem Weinberg, der ursprünglich dem Mainzer Karthäuserkloster gehörte. „Hier hat man einen wunderbaren Blick über die Region“, schwärmt er. „Seht Ihr? Dort hinten, beim Niederwalddenkmal, das ist der Rheingau. Hier unter uns fließt die Nahe und auf der anderen Flussseite beginnt Rheinhessen.

Von li nach re: Mit Sebastian Schäfer hoch oben auf der gerade Kuppe des Laubenheimer Karthäusers. Mannshohe Rebstöcke. Auch Trauben bekommen Sonnenbrand.
Von li nach re: Mit Sebastian Schäfer hoch oben auf der gerade Kuppe des Laubenheimer Karthäusers. Mannshohe Rebstöcke. Auch Trauben bekommen Sonnenbrand.

Die Rebstöcke der VDP. Ersten Lage Laubenheimer Karthäuser von Schäfer liegen hoch oben auf dem Plateau des Berges. Sie sind eng gepflanzt und auffällig hoch. So hoch, dass sie den ohnehin nicht kleinen Winzer noch um einiges überragen. „Wir schneiden nur zweimal im Jahr, das erste Mal fünf Woche nach der Blüte, also nach der Zellteilung, damit die Beeren nicht zu zahlreich und üppig werden“, erklärt uns dieser. „Darüber hinaus entfernen wir einen Teil des Fruchtansatzes, damit die Trauben schön lockerbeerig sind. Nur so können wir sie lange reifen lassen, ohne dass sich Botrytis [Grauschimmel] bildet.“ In diesem Jahr wird der Ertrag noch weiter minimiert: Durch die plötzlich hereingebrochene Hitze haben die Trauben an der Westseite der Stöcke an einigen Stellen Sonnenbrand bekommen. Die Beeren trocknen ein und fallen ab oder werden herausgeschnitten.

Links: Blick vom Hof des Weinguts auf den Namensgeber des Ortes an der unteren Nahe: Burg Layen. Mitte: Der Adler mit Traube weist auf die Mitgliedschaft im Verband VDP. Die Prädikatsweingüter hin.
Links: Blick vom Hof des Weinguts auf den Namensgeber des Ortes an der unteren Nahe: Burg Layen. Mitte: Der Adler mit Traube weist auf die Mitgliedschaft im Verband VDP. Die Prädikatsweingüter hin.

Wir fahren wieder bergab, hinein ins Trollbachtal, wo die VDP. Großen Lagen „Pittermännchen“ und „Goldloch“ liegen. Beide Namen deuten schon an, wie hoch sie geschätzt werden: „Pittermännchen“ ist benannt nach einer alten Kleinsilbermünze des Kurfürstentums Trier, die 32 Silbergroschen wert war. „Goldloch“ bezieht sich auf einen angeblich verschütteten Goldstollen in der Gegend.

Die Lage „Pittermännchen“ umfasst insgesamt sieben Hektar. 1,7 davon gehören Sebastian Schäfer. Für seine Großen Gewächse verwendet er die Trauben der steilen Parzellen nach unten hinab zur Straße sowie die des mittleren Hanges; die Ernte des oberen Teils kommt in die VDP. Ortsweine.

Gerade wurde die Ostseite der Rebstöcke entblättert, damit der Morgentau von der Vormittagssonne getrocknet werden kann. „Auch dies ist ein Schutz gegen Botrytis“, erklärt Sebastian.

„Ob ein Wein im Stahltank oder besser im Holzfass ausgebaut, mit wilden Hefen oder Reinzuchthefen vergoren wird und wie lange der Wein auf der Hefe lagert, das alles entscheide ich von Fall zu Fall und gewissermaßen in Absprache mit dem Traubenmost“, erzählt uns der Winzer im Keller. „Jede Parzelle wird individuell behandelt.“ Vom Riesling Goldloch beispielsweise hat er sechs verschiedene Partien im Keller und baut sie unterschiedlich aus. „Ich schau immer, was ein Wein braucht und was zusammenpasst“, sagt er. „Und nur die wirklich großen Weine tragen bei mir den Namen Großes Gewächs“.

Jetzt sind viele Fässer leer. „Demnächst wird hier unten eine Woche lang ausgiebig geputzt“, erzählt er. Wir staunen, schließlich sieht es schon jetzt tipptop sauber aus. Doch damit sich der Wein im Fass oder Edelstahltank ungestört entwickeln kann, dürfen nicht die geringsten Hefereste und Bakterien mehr vorhanden sein. Wir sind beeindruckt und haben abermals etwas Neues hinzugelernt. Respektvoll machen wir uns an die Verkostung der so mühevoll gewonnenen Tropfen – und lassen uns von ihnen zu einem größeren „Wareneinkauf“ verführen als ursprünglich geplant:

Riesling VDP. Gutswein 2015     9,90 €  Mitnahmepreis o,75l
Schon mit seinem „einfachen“ Gutsriesling überzeugt Sebastian Schäfer Jahr für Jahr – und insbesondere mit dem 2015er. Gelbe Früchte, Apfel und Zitrusnoten im Bukett. Am Gaumen glasklar, saftig, frisch und delikat. Mit seiner harmonischen Säure hinterlässt er eine lang anhaltende und feine mineralische Würze. Bingo! – so geht Nahe-Riesling.

Rümmelsheimer Riesling Kieselstein VDP. Ortswein 2015     13,80 €  Mitnahmepreis o,75l
Bei Schäfers spontan vergorenem Riesling vom Kieselstein steht, wie der Name schon andeutet, die Mineralik im Vordergrund. An der Nase übt sich der noch sehr junge Wein in Zurückhaltung – am Gaumen zeigt er sich dafür rassig und druckvoll, dabei extrem elegant und schmelzig. Schon jetzt ein ausdrucksstarker Speisebegleiter – man ahnt, was der Jüngling in ein paar Jahren zu sagen haben wird.

Dorsheimer Pittermännchen Riesling VDP. Großes Gewächs 2013      27,90 €  Mitnahmepreis o,75l
Mit diesem Großen Gewächs zeigt Sebastian Schäfer, dass er auch in nicht ganz einfachen Jahrgängen voll und ganz in der Bundesliga spielt. Feine Reifenoten mit Blüten, Tee, gelben Äpfeln und Akazienhonig in der Nase. Am Gaumen salzig, dicht und konzentriert. Der Wein befindet sich im Augenblick in einer eher verschlossenen Phase (ein normales Phänomen im Reifeprozess großer Weine), entfaltet sich aber mit etwas Luft zu enormer Komplexität, Vielschichtigkeit und Länge.

Goldloch Riesling VDP. Großes Gewächs 2015    27,90 €  Mitnahmepreis o,75l
Beim 2015er-Jahrgang hat von Schäfers beiden GG derzeit das Goldloch die Nase vorn. Er präsentiert sich bereits sehr zugänglich: weißer Pfirsich und exotische Früchte durchwoben von ätherischen Kräuternoten. Am Gaumen sehr trocken, saftig, vollmundig und dicht, mit enormem Trinkfluss und tiefgründiger Mineralik. In der Zeitschrift „Sommelier“ mit sagenhaften 95-97 Punkten bewertet – völlig zu Recht, wie wir finden!

Pittermännchen Riesling Kabinett VDP. Große Lage 2015    11,90 €  Mitnahmepreis o,75l
Mit seinem süßen Oeuvre räumt Sebastian Schäfer ebenfalls jedes Jahr Spitzenbewertungen ab und mit diesem Kabinett aus der GG-Lage hat er 2015 ein echtes Glanzstück geliefert. In der Nase gelbe Früchte und eine feine Würze. Am Gaumen perfekte Balance zwischen süßer, traubiger Frucht und mineralischer Säure, die dem Wein – trotz seines vollmundigen Charakters – eine enorme Frische und Trinkigkeit verleiht. Solche Kunststücke beherrschen nicht viele Winzer.

Von oben li nach unten re: Degustation der VDP-Weine. An der berühmten VDP. GG Lage „Pittermännchen“ mit jungen und alten Rebstöcken am oberen Hang sowie steilen Rebgängen im unteren Teil. Blick auf die VDP. GG Lage „Goldloch“.
Von oben li nach unten re: Degustation der VDP-Weine. An der berühmten VDP. GG Lage „Pittermännchen“ mit jungen und alten Rebstöcken am oberen Hang sowie steilen Rebgängen im unteren Teil. Blick auf die VDP. GG Lage „Goldloch“.

Hier geht die Reise weiter zu:
Weingut Hahnmühle, Mannweiler-Cölln im Alsenztal
Gut Hermannsberg, Niederhausen, Mittlere Nahe
Weingut Emrich-Schönleber, Monzingen, Mittlere Nahe
Weingut Korrell, Bad Kreuznach-Bosenheim, Mittlere Nahe

Angebot gültig, solange der Vorrat reicht.

Text und Fotos: Janne Böckenhauer
Weinbeschreibungen: vinocentral-Team

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